Torfstecher in Leuth

Der Torfstecher ist kein eigenständiger Beruf gewesen. Das Torfstechen wurde von den Bauern rund drei Jahrhunderte lang als Nebentätigkeit, allerdings eine überlebensnotwendige, ausgeübt. Dazu müssen wir gut 400 Jahre zurückgehen. Damals haben nämlich die Leuther Bauern angefangen, im Bruchgelände an der Nette Torf zu stechen, um Brennmaterial für das Heizen zu haben. Erst nur für den Eigengebrauch, dann wurde er auch verkauft.

Durch dieses Torfstechen sind nach und nach die Netteseen entstanden. Das hat lange gedauert, denn über erstes Torfstechen wird in der „Geschichte der Herrlichkeit Leuth“ von Leopold Henrichs und Johann Finken schon aus dem Jahre 1555 berichtet. Auf einer Karte, die um 1710 entstand, gab es die Seen allerdings noch nicht, da sah die Nette zwischen Dülken und Wachtendonk wie ein großer Bandwurm aus – mit Sumpfgebieten zu beiden Seiten. 100 Jahre später sind dann die „Krickenbecker Seen“ eingezeichnet: der Schrolick, das Poelvenn und „het Breede Water“, wie das Hinsbecker und das Glabbacher Bruch zunächst genannt wurden.

Wenn man Herbert Hubatsch und seiner Schrift „Das Nettetal“ folgt, ist der erste ausgetorfte See wahrscheinlich der Wittsee gewesen, weil er vor den Hautüren der Leuther lag – so zwischen 1630 und 1650 war das. Manche Buchten, etwa die am Bootsgelände, lassen darauf schließen, dass man dort auch noch im 19. Jahrhundert Torf gewonnen hat. Das ging nicht immer ohne Streit ab, denn auf der östichen Nette-Seite waren auch die Lobbericher eifrige Torfstecher. Weil der Lauf der Nette nicht so eindeutig war, kam es immer wieder zu Handgreiflichkeiten.

Ähnlich war es im Leuther Norden an der Grenze zu Herongen im Bereich von Poelvenn und Schrolick. Im Jahre 1679 müssen die Leuther den Herongern zu nahe gekommen sein, denn 40 von ihnen rückten mit Spaten, Heugabeln und Sensen an, um drei Leuther Bauern daran zu hindern, mit Pferdekarren Torf abzufahren. Gerichtlich wurde der Streit erst 1690 entschieden mit dem Ergebnis: Die Leuther Bauern waren rechtmäßige Besitzer des Torfareals. Das gleiche Ergebnis hatte ein Prozess, der 1728 begann, aber dann schon 1731 endete.

Die Torfgewinnung muss damals eine lukrative Sache gewesen sein, denn Henrichs/Finken berichten in ihrem Buch auf mehreren Seiten über verschiedene Streitigkeiten, in denen dem „großen Lobberich“ und auch Hinsbeck vorgeworfen wurde, dass sie „an derselben Krankheit“ litten und „im Leuther Gebiet Gelüste“ hegten. Über den Verlauf des Prozesses ist nichts bekannt, doch über das Ergebnis: „Jedenfalls aber trug Leuth den Sieg davon“.

Zur Bildung der Netteseen hat neben dem Torfstechen auch das Aufstauen der Nette an den einzelnen Mühlen beigetragen. Zwischen Wittsee und Leuther Mühle erhielt die Nettte ein neues Bett, das erheblich über den Kuhlen liegt, durch die die aus Hinsbeck kommende Renne fließt. Schon damals wurde darauf geachtet, dass die Nette in den Schrolick und dann die Gräben um Schloss Krickenbeck fließt, damit deren Holzfundamente immer unter Wasser liegen.

Torfstecher-Figur in Esterwegen/Emsland
Foto: Gemeinde Esterwegen