Schulgeschichte

Vortrag von Manfred Meis bei den Heimatfreunden Leuth am 8. November 2016 Es begann mit einem Totenzettel von Friedrich Wilhelm Schmalohr und der Anfrage von Anneliese Nowak, ob ich einen Vortrag über die Schule halten könnte; meine Frau sei doch dort lange Lehrerin gewesen. Nichts einfacher als das, dachte ich: Du hast den Henrichs/Finken, die hast die Schulchronik, du hast den Erfahrungsschatz deiner Frau… Von wegen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe das alles gehabt. Aber wie soll man das auf die Reihe bringen und in 30 oder 40 oder gar 50 Minuten erzählen? Denn hier sitzen ja Leute, die mitreden können und die vieles besser wissen, weil sie dabei waren. Ich bekenne: Ich habe den Mut zur Lücke gehabt, so dass gleich genug Gelegenheit ist, sie zu schließen. Wenn wir über Schule in vergangenen Jahrhunderten reden, müssen wir uns frei machen von den Vorstellungen, die wir selbst in den letzten Jahrzehnten gewonnen haben. Staatliche Schulen – haben sich erst in den letzten beiden Jahrhunderten allmählich herausgebildet. Schulpflicht – in Deutschland überall verbindlich erst seit der Weimarer Republik 1919. „Es besteht allgemeine Schulpflicht. Ihrer Erfüllung dient grundsätzlich die Volksschule mit mindestens acht Schuljahren und die anschließende Fortbildungsschule bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre“, heißt es in Artikel 145 der Verfassung der ersten deutschen Demokratie. Aber es gibt frühe Vorläufer: das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken 1592, Straßburg 1598, Sachsen-Gotha 1642. Preußen folgte 1717, allerdings war nur eine Unterrichtspflicht, keine Schulpflicht vorgegeben. Interessant: Vorreiter in der Schulplicht waren protestantische Herzogtümer. Das heißt nicht, dass die Katholiken völlig bildungsfern gewesen seien. Der erste Lehrer in Leuth, den Wilhelm Schmalohr in seiner 1882 niedergeschriebenen Schul- und Gemeindechronik von Leuth nennt, gab Unterricht in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts; festgehalten ist sein Tod am 25. Februar 1692. Doch davor gab es auch schon Leute in Leuth, die lesen und schreiben konnten, so etwa der Gerichtsbote Lambert Holtmanns. Der hat in den Jahren 1609 und 1620 zwei Urkunden unterschrieben, weil die Schöffen und Geschworenen nicht schreiben konnten. Das berichten Leopold Henrichs und Johann Finken in ihrer 1884 herausgegebenen Leuth-Geschichte. Sie haben sich nicht nur auf Schmalohrs Angaben verlassen, sondern weiter geforscht und zitieren den 70 Jahre alten Mevis in gen Leist, der 1647 erklärte, er habe in seiner Jugend verschiedene Briefe des Pastors Vergeist in den Händen gehabt, als er lesen lernte. Daraus folgern die Autoren, dass es bereits 1587 eine Art Schule in Leuth gegeben habe. Wobei man mit dem Begriff Schule vorsichtig sein muss. Wo hat Lambert Holtmanns um1600 herum Lesen und Schreiben gelernt? Vermutlich auch beim Pastor oder im Kreise seiner Familie. Bruder Heinrich wurde Novize im Kloster St. Pantaleon in Köln, Onkel Walter war Domkapitular in Köln, Onkel Matthias Kanonikus an St. Andreas in Köln und Onkel Wilhelm Prior zu Meer. Wenn das nicht reicht! Aber im Ernst: Die Pfarrer waren in der Regel die Leute, die erste Kenntnisse in Lesen, Schreiben und natürlich in Religion vermittelten. Von Mathematik war damals kaum die Rede. In den Akten haben Henrichs/Finken auch einen „Toenis de Schoelmeister“ gefunden, der sich 1628 als Mitglied der Rosenkranzbruderschaft eintragen ließ. Danach wird ein Johann Boscher genannt, der 1655 aber zum Studium nach Köln wechselte. Im gleichen Jahr taucht Theodor Otten auf, bei Schmalohr Dirk Ottoy genannt, der 1692 starb. Um 1700 wird wieder ein Theodor (Meester Dirrick) genannt, dann war Küster Peter Boom auch Lehrer, bis 1719 dann Johann Albers das Amt innehatte. 1763 wird Rutt (Rütger) Nelessen genannt, 1766 dann Sibert Bohren. Als nach dessen Tod 1790 Pfarrer Arnold Grothuysen, gerade neu im Amt, Johann Boom, den Sohn des Küsters, als neuen Lehrer vorschlug, beschwerte sich Jacob van Oyen bei der Regierung in Geldern. Sein Vater Ambrosius habe ihn, schreiben Henrichs/Finken, „mit großen Kosten lesen, schreiben und rechnen lernen lassen“. Deshalb und auch weil der Graf von Schaesberg als Grundherr sowie die Meistbeerbten ihn vorgeschlagen hatten, gebühre ihm die Lehrerstelle. Der Protest hatte Erfolg, van Oyen wurde Lehrer. Nebenher führte er noch eine Schenkwirtschaft und war „später so sehr dem Trunke ergeben“, dass er 1829 den Dienst quittieren „und fortan auf Kosten der Gemeinde bei einem Tagelöhner sein Leben fristen musste“. Man hat ihn am 27. Februar 1839 ertrunken im Schrolik aufgefunden. Hier eine Aufstellung der weiteren Lehrpersonen (Fettdruck: Schulleiter, unterstrichen: mehr als 30 Jahre an der Schule) 1829 Anton de Witt– 1839 nach Ruhrort 1839 Franz-Heirich Scheer– 1845 nach Schiefbahn 1845 Gottfried Damian Heyen– 1848 Kaufmann nach Rheydt 1848 J. Holthausen (Aspirant) – ein halbes Jahr 1848 Peter Hermann Davids– 1856 nach Schaag 1856 Wilhelm Schmalohr– gest. 6. Dez. 1886 1866 Magdalena Steiner – 1873 nach Hinsbeck 1873 Elise Dunker – 1875 nach Straelen-Holt 1875 Anna Sophia Rennen – gest. 1878 1879 Franziska Paus– 1921 Pensionierung, 1940 gestorben 1883/84 Johann Wilhelm Houben (Leutherheide) 1884 Anna Paus – gest. Ende 1884 1887 Josef Küper – 1901 erkrankt, 11/1903 verstorben 1901 Leenen (März/April) 1901/02 Derix 1902 Heinrich Orth – 1932 nach Holten/Sterkrade ??? Frl. Schleuter – 4/1910 1910 Josef Hubert Kaumanns – 1932 Lobberich-Dyck 1914 Kirch (Hinsbeck – Vertretung ab September 1914 bis Februar 1916) 1916 Wilhelm Kronenberg – Kriegsdienst, 1918 zurück, dann Leutherheide 1917 Agnes Jung – 1919 nach Veert 1921 Anne Nöring 1923 Magdalene Bohnen– 1963 pensioniert 1932 Johannes Strötges1941 verstorben 1932 Willy Kehren – 1932 nach Kamp 1932 J. Kamps – 1932 nach Boisheim 1932 Wilhelm Hoffmeister – 1935 nach Lobberich 1935 Antonie Beckmann 1936/11 C. Büsges –  06/1936 nach Hinsbeck 1941 Josef Klingen– 1943 nach Hinsbeck 1943 Ernst Imhorst – 1945 nach Hinsbeck 1945 Johannes Ziemons– 1956 ausgeschieden, 1964 verstorben 1946 Anna Margarete Eilau geb. Oberlies – 1952 ausgeschieden 1945 August Minten – Schulhelfer bis Juli 1946 1946 Wolfgang Wagner – Schulhelfer bis Oktober 1947 1947 Carl Maria Brohl – 1961 ausgeschieden 1948 Alois Beckmann – 1955 ausgeschieden (Ostern) 1952 Getrud Bohnen – 1957 ausgeschieden 1956 Josef Schmitz – 1960 ausgeschieden 1957 Rosemarie Höfgen– 1972 nach Breyell 1958 Anna Schouren – Aushilfe bis März 1963 1961 Otto Sagel – 1967 nach Kaldenkirchen 1961 Maria Viecenz/Wannenmacher – 1968 ausgeschieden 1963 Cornel Schnorrenberg– 1998 ausgeschieden 1963 Ingrid vom Bovert – 1964 ausgeschieden 1963 Hermann Hecker – 1968 nach Willich 1965 Maria Betty Fiévez – ausgeschieden 1966 1966 Julius Dohr – 1967 ausgeschieden 1967 Jutta Schneider/Fink – 1968 nach Wiesbaden 1967 Agnes Doll/Link – 1968 nach Köln 1968 Frau Verwimp – 1969 ausgeschieden 1970 Marliese Meis– 2002 ausgeschieden 1972 Gertrud Krug – … Schulgeschichte weiterlesen